COPYRIGHT © - MARIE SCHNEIDER, LUCAS ULMER, LESLIE BARABASCH 

Grafik: Marie Schneider

heimatwechsel

Seit rund 7000 Jahren ist die Niederrheinische Bucht von Menschen besiedelt, was auf die einzigartig fruchtbaren Böden (Parabraunerden) zurückzuführen ist. Durch eine ertragreiche Bewirtschaftung boten sie den Menschen eine ausgezeichnete Lebensgrundlage.

 

Seit Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, im Zuge der Industrialisierung, wird im Rheinischen Braunkohlenrevier industriell Braunkohle abgebaut. Aktuell fördert RWE in den Tagebaugruben Inden, Garzweiler und Hambach jährlich ca. 91 Millionen Tonnen des fossilen Brennstoffs [BUND-NRW, 2017], wobei große Anteile der geförderten Kohle ins Ausland exportiert werden. 

Um Braunkohle abbauen zu können, muss alles, was sich an der Erdoberfläche befindet, weichen. Wälder werden abgeholzt, Orte umgesiedelt, das Grundwasser muss großflächig durch zahlreiche Pumpen abgesenkt werden, ganze Landschaften werden abgetragen. Seit den 1950er Jahren bis heute mussten rund 44.000 Menschen im rheinischen Braunkohlerevier ihre Heimat aufgeben und dem Braunkohlentagebau weichen. Mit den über 100 bislang umgesiedelten Orten verschwindet auch identitätsschaffende Kulturlandschaft, Kulturdenkmäler, soziale Verbände und schützenswerte Naturräume. Sie sind über Jahrhunderte hinweg langsam gewachsen und lassen sich nicht durch Neubauten, Renaturierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen gleichwertig ersetzen.

Die soziale Verträglichkeit von Umsiedlungen im Allgemeinen, sowie die Vorgehensweisen der jeweiligen Akteure aus Wirtschaft und Politik, ist in Frage zu stellen. Auf einen frühzeitigen Rechtsschutz konnten sich die von der Umsiedlung betroffenen Menschen nicht verlassen, da es gesetzlich nicht vorgesehen ist, wodurch sich die Frage aufdrängt, ob man nicht sogar von Zwangsumsiedlungen sprechen muss. 

Während unserer Recherchearbeit trafen wir auf Bewohner, die noch in ihrem Heimatort leben, auch wenn dieser stetig abgerissen wird und schon nahezu leer steht. Wir sind Menschen begegnet, die berichteten, dass ihnen nichts besseres passieren konnte, als umgesiedelt zu werden und wir hörten von sozialem Druck durch die Dorfgemeinschaft und dem psychologisch ausgebildeten Personal, welches die Umsiedlungen für RWE durchführt.

 

Der Kontakt zu Hubert Perschke entstand über die Bürgerinitiative Buirer für Buir, in der er seit einigen Jahren aktives Mitglied ist. Hubert führte uns an die Thematik des Hambacher Braunkohletagebaus heran und begleitete uns zu den verschiedenen Standpunkten rund um den Tagebau Hambach. Sein Wissen und die über ihn entstandenen Kontakte leiteten uns durch unsere Dokumentation und öffneten uns viele Türen zu neuen, thematischen und interessanten Ansätzen. 

 

Unsere Dokumentation, die auf Fotografien, Interviews, Filmen und Gesprächen mit Betroffenen beruht, begann im Oktober 2018. Den finalen Ergebnissen unserer Recherche bietet eine Website optimalen Raum zur adäquaten Präsentation - um weitere Betroffene, Interessierte und auch ein breiteres Publikum zu erreichen.